Eine Wahlparty ohne Wahl – Geht das?

Es ist kurz nach 22 Uhr, ich betrete „Die Tribüne“, eine kleine Kellerbar am Küchengarten in Hannover. Im Hintergrund läuft leise Musik und auf dem Tresen liegen zahlreiche Sticker und Karten der PARTEI aus. Knapp zehn Anhänger*innen der „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ sitzen im Raum verteilt, trinken ihr Getränke und unterhalten sich nett. Die Anhänger*innen bemerken mich und freuen sich, dass ich die Wahlsiegparty besuche. Recht schnell komme ich mit ihnen ins Gespräch. Ich unterhalte mich mit Juli Klippert (Listenplatz 4) und frage, wie es denn möglich sei, ohne Wahlergebnis den Wahlsieg zu feiern. Klippert antwortet, dass das Ziel ja 100 Prozent aller Stimmen plus X sei. Außerdem sei samstags traditionell die Stimmung besser als sonntags, da am Montag wieder gearbeitet werden müsse. Deswegen feiere man den Wahlsieg im Vorfeld. Man crashe auch gerne mal die Wahlpartys anderer Parteien am Sonntag, wie die der FDP, führt Klippert weiter aus.

Ich denke gerade über die nächste Frage nach, da fragt Klippert ganz spontan: „War’s das jetzt schon mit den Fragen?“ und schlägt vor, selber Fragen zu stellen. Ich willige ein. „Warum muss die PARTEI endlich an die Macht kommen?fragt er mich daraufhin.  Die PARTEI sei eine sehr gute PARTEI und sollte daher eigentlich schon längst regieren, entgegne ich versiert. Die nächste Frage von Klippert ist, mit welcher Partei seine Partei koalieren würde. „Die PARTEI koaliert grundsätzlich mit jeder Partei, außer mit Nazis und der unseriösen Spaßpartei FDP“, lautet meine Antwort, die ich erst neulich bei einem Auftritt des Vorsitzenden gehört hatte. „Also jeder der als Steigbügelhalter für die PARTEI zur Machtergreifung dient“, vervollständigt Klippert erfreut und setzt nach: „Was wären die ersten Punkte, die die PARTEI nach dem Wahlsieg anpacken würde?“. Ich rufe mir in Gedanken die „17 Forderungen aus unserem 10-Punkte-Plan für Niedersachsen, das bessere Sachsen“ auf und antworte, dass die Bierpreisbremse sowie die Umbenennung Niedersachsens in „Nieder mit Sachsen“  bzw. „Nieder“, die ersten Amtshandlungen sein, da niemand etwas mit Sachsen zu tun haben möchte. Klippert ist sichtlich beeindruckt, stimmt mir begeistert zu und ruft „Ich brauche hier einen Mitgliedsantrag!“ Noch bevor der Antrag da ist, greife ich in mein Portmonee und zeige Klippert meinen Mitgliedsausweis. Es bricht Jubel aus. Klippert ruft: „Ein PARTEI Mitglied!“. Man bietet mir ein Getränk an, das ich dankend ablehne. Klippert und ich unterhalten uns darüber, wie ich zur PARTEI gekommen bin. Klippert erklärt, dass man im nächsten Jahr noch mehr real-politische Regionsarbeit machen und die Kreisverbände stärken wolle und ermutigt auch mich, in meiner Region aktiver zu werden. Ich berichte noch ein wenig darüber, was die Junge Presse Niedersachsen ist und was wir während des Landtagswahl-Reportageseminars machen, bis Klippert sich nach draußen verabschiedet, um zu rauchen. Und während auch ich schließlich um halb zwölf Uhr nachts die Party verlasse, feiern noch fünf PARTEI-Anhänger*innen weiter fröhlich ihren Wahlsieg.

Alexander Bernd Heuer

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