Keine Zeit für Sprüche

Das erste Ergebnis einer Wahl: Ganz schön viel Müll. Doch beeinflussen dumpfe Slogans, Plakate und Werbegeschenke wirklich die Kreuze der Wählenden? Oder ist es nicht eher ihre politische Einstellung? Braucht es all die Werbung überhaupt noch? Ein Smalltalk mit der nächsten Generation von jungen Politikmachenden.

In Zeiten des Wahlkampfes kommt man sogar um Stephan Weils Lieblings-Pizzarezept nicht herum. Beim genaueren Hinschauen in die Werbebroschüre bemerkt man aber, dass das Pizza-da-Stephano-Rezept gar keinen Sinn macht, weil man es gar nicht nachbacken kann.

Macht die ganze Wahlkampfwerbung überhaupt Sinn, fragt sich da der stumme Betrachter. Der Juso-Geschäftsführer Ole Moszczynski aus Hannover sieht das so: „Da sieht ja keiner ein Plakat von Stephan Weil und denkt, der lächelt so freundlich, den wähle ich jetzt.“

Wahlwerbung dient zum größten Teil dazu, die Leute überhaupt zur Urne zu bewegen.“

Die Vorsitzende der Jungen Union Hannover Inken Wellmann meint, es mache schon viel mit den Leuten, wenn sie Gesichter sehen. Allerdings wird man auch hier langsam kritischer und verkündet anschließend über die CDU-Chips: „Es ist halt wieder irgendein Kram in Plastik verpackt.“, während eine Vertreterin der Grünen Jugend, Pia Schonten, zugibt, dass da viel Geld reinfließt und viel Müll herauskommt.

Joris Stietenroth von den Jungen Liberalen verkündet: „Wir verteilen keine Luftballons mehr.“ Außerdem formuliert er im Klartext: „Ein Plakat kann nie wirklich konkrete Inhalte abliefern.“

Doch ist dem wirklich so? Oder braucht es einfach Reformen und Innovation, um gerade die in den letzten Jahren stagnierende Wahlbeteiligung wieder wachzurütteln. Wo es Probleme gibt, da gibt es auch Lösungen, meinen viele der Jungpolitiker*innen.

So findet die Vorsitzende der Jungen Union Hannover, Inken Wellmann, dass man es beim nächsten Mal statt mit Chipstüten zum Beispiel mit regional angebauten Äpfeln als Werbegeschenk versuchen sollte. Auch die jüngste Bundestagsabgeordnete Emilia Fester von den Grünen macht einen Vorschlag für Reformen. Nämlich einmal zu schauen, was passiert, wenn man die ganze Plakatwerbung einfach weglässt.

Doch so lange dieses „Was-wäre-wenn“-Gedankenspiel noch nicht Realität geworden sind, kann man sich gemütlich in einem Bündnis 90 die Grünen Holzliegestuhl entspannen, sich im Goldgelb von Christian Lindner sonnen, CDU-Chips und SPD-Pizza verdrücken und das Journal der Jungen Presse Niedersachsen weiterlesen.

Guten Appetit.

Noah Baron

Noah Baron hat tatsächlich versucht das SPD-Pizzarezept von Stephan Weil nachzubacken, und hat sich mangels guter Verpflegung bei der Recherche während der Landtagswahl in Hannover 2022 quasi nur von CDU-Chips ernährt. Am meisten beeindruckt haben ihn aber die unendlichen Massen von Werbeaufklebern mit fetzigen Sprüchen der satirischen Kleinstpartei „die Partei“.
Jedoch würde er trotz allem einen JPN-Bleistift jederzeit einem „Wer-Weil-will-wählt-SPD“ Kugelschreiber vorziehen.

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