Es ist morgens um sechs als ich gemeinsam mit hunderten Aktivist*innen aus den weißen Reisebussen aussteige. Die Busse hatten uns an einem anderen Punkt rausgelassen als die “widersetzen”-Aktionsgruppe ursprünglich geplant hatte. Also erstmal ein Plenum, bei dem die Kleingruppen aus denen die große Aktionsgruppe “Bunt” besteht sich beraten, was jetzt zu tun ist. Schnell einigt man sich auf einen Verkehrsknotenpunkt in der Oststadt, vor der Brücke zur Hessenhalle. Also geht’s los: Eine Gruppe von ungefähr 500 Aktivist*innen macht sich auf den Weg.

Gleichzeitig kommen über den Aktionsticker in Fünf-Minuten-Abständen Updates: Aktionsgruppe “Pink” blockiert einen Zufahrtsweg. Aktionsgruppe “Grün” hat die Autobahn blockiert. Als die Gruppe Bunt, mit der ich unterwegs bin, an der Konrad Adenauer Brücke ankommt, ist Gießen aus allen Richtungen dicht. 19 Blockaden verhindern, dass die jungen AfD-Deligierten in ihre Tagungshalle kommen.
Aber die Polizei reagiert mit Zwanganwendung, um die Neugründung der AfD-Jugend zu ermöglichen. An der Blockade der Konrad-Adenauer-Brücke merkt die Polizei schnell, dass hier zu viele Aktivist*innen sind, um einzelne Deligierte durchzuschleusen. Doch an anderen Blockaden wird, wie man nachher in den sozialen Medien sehen wird, der Weg für die AfD mit Zwangsmitteln freigemacht.

Ihr Ziel, das Treffen der AfD-Jugend zu verhindern, schafft widersetzen zumindest teilweise: Ein Jubel geht durch die Menge, als um zehn Uhr eine Nachricht über den Aktionsticker kommt: Die Halle ist fast leer. Die Konferenz kann noch nicht starten. Selbst zwei Stunden nach Start ist erst ein Fünftel der Deligierten da. Doch nach und nach schafft es die Polizei, den Jungdeligierten den Weg freizumachen. Das Neugründungstreffen wurde nicht verhindert. Aber immerhin erheblich verzögert.
Die Aktivist*innen geben dennoch nicht auf. Ich bin noch eine Weile mit 2000 Menschen unterwegs, die sich spontan nochmal zusammengeschlossen haben, und sich auf eine Autobahnzufahrt schleichen wollen um die letzten anreisenden AfD’ler an ihrer Anreise zu hindern. Gleichzeitig kommt die Info, dass einige Aktionsgruppen in einer spontanen Aktion eine Polizeikette durchbrochen haben und auf dem Weg zu den Hessehallen sind. Zu diesem Zeitpunkt kann die Neugründung nicht mehr verhindert werden. Drinnen – da sprechen die jungen Rechten von “deutscher Tradition, die verteidigt werden muss”, “Volksgenossen” und “einer Kuh, die immernoch eine Kuh bleibt, auch wenn sie im Schweinestall geboren wird”. Die Neugründung der AfD-Jugend, die sich in der Hoffnung der Parteiführung eigentlich weniger radikal geben sollte, ist geschafft. Aber tausende Aktivist*innen haben ihnengezeigt, dass sie mit Widerstand rechnen müssen.

Fotos: Luca Schneider





Kommentar schreiben