Junge Presse Journal

Wie nachhaltig war das jmc:nw?

Dieses Jahr fand das Jugendmediencamp Nordwest unter dem Motto Nachhaltigkeit statt. Aber wie konsequent wurde das Motto umgesetzt? Und wie polarisiert das Thema Klima außerhalb vom Camp? Die Teilnehmerinnen des Zeitungsworkshops haben für euch nachgeforscht!

Blick zurück in das Jahr 2018: Verzweiflung in den Augen der Kioskkeeper. Das Orga-Team steht in schwarzen Abgaswolken. Berge von Plastikflaschen und Plastikmüll überrollen das Camp. Das Orga-Team beschließt daraufhin, den Kampf gegen das Plastik aufzunehmen. Es steckt seine Ziele sehr hoch und so findet das Jugendmediencamp dieses Jahr unter dem Motto Nachhaltigkeit statt. 94 Menschen treffen sich also dieses Jahr auf dem Thomas-Morus-Platz in der Nähe von Loxstedt bei Bremerhaven. Aber was hat sich verändert?

Mit Block und Stift bewaffnet mache ich mich auf den Weg, um ganz genau nachzuhaken, was das Orga-Team verändert hat. Ich beginne am Loxstedter Bahnhof. Die Teilnehmenden, liebevoll Teilis genannt, steigen aus der Regionalbahn und werden von zwei großen dunklen Wagen erwartet. In einem Gespräch mit Fahrer Jonas Lerch erfahre ich mehr über die Fahrzeugsituation. „In den letzten Jahren hatten wir unter anderem einen Jeep und einen Pick-Up. Das war aber nicht optimal“, erklärt Jonas, „denn der Kraftstoffverbrauch war sehr hoch.“ Die beiden jetzt genutzten Dieselfahrzeuge sind viel umweltschonender. Außerdem haben sie jeweils acht und neun Sitzplätze und befinden sich auf einem technisch modernen Stand. Dieses Jahr achtet das Team besonders darauf, Besorgungs- und Shuttletouren zusammenzulegen, um eigene Kraft-, Zeit- und Umweltressourcen zu schonen.

Müllrecycling beim Kiosk

Als ich beim Camp ankomme, mache ich mich auf den Weg zum Kioskstand. Der ist bei allen CampbesucherInnen sehr beliebt, weil es hier Getränke und Süßigkeiten gibt. EinE anonymeR InformantIn wendet sich mit Informationen vom Kioskstand an mich. Die Person berichtet mir ausführlich von allen nachhaltigen Maßnahmen, die durchgeführt wurden. Statt der oben erwähnten Plastikflaschen verkauft der Kiosk dieses Jahr nur noch Glasflaschen. Und die hat er sogar auf Kommission gekauft. Das bedeutet, falls die Campbesucher nicht genug trinken, gehen alle übrigen Flaschen zurück an den Verkäufer. Besonders begeistert war meinE InformantIn von dem vielfältigen veganen Angebot und der nachhaltigen Erneuerung im Gummibärchenverkauf. So wurden nur große Gummibärchenbehälter gekauft. Diese verkaufen die Kioskkeeper in kleinen Papiertüten weiter. Außerdem würde der Kiosk nur zwei Säcke Müll produzieren. Am Kioskstand fällt mir die bunte Deko auf. MeinE InformantIn erklärt mir, dass diese von der Kunstpause angefertigt werden würden. Alle alten Dosen und Deckel verwendet die Kunstpause, um neue Kunstwerke zu erschaffen. In der Kunstpause landen alle übrigen Materialien, die aus den vergangenen Jahren übrig geblieben sind.

…und wie ist das mit dem Strom?

Als nächstes wende ich mich an Tim Blume, genannt End, und Tobias Wittkemper vom Technik-Team. Sie erzählen mir, dass sie schon bei der Vorbereitung darauf geachtet haben, Technik, Material und die Bühne aus der Region zu besorgen. Von ihnen erfahre ich auch, dass das Camp insgesamt etwa 125 Kilowatt Strom pro Stunde verbraucht. Das ist ungefähr so viel, wie eine Zweier-WG in einem Monat verbraucht. „Wir haben uns nur auf das Nötigste beschränkt“, sagt End. „Und die Bühne ist kleiner geworden.“ Trotzdem bringt die Open Stage die ZuschauerInnen zum Staunen. 

Gegen Mittag warten im Carport schon die dampfenden Töpfe mit dem Essen. Vergeblich werden einige Teilis nach Fleisch suchen. Den Wurstteller gibt’s nur zum Frühstück und Abendessen. Stattdessen setzt das Küchenteam auf vegane Gerichte. Christian Oettel und Gesa Perlick, das Küchenteam, bekochen alle CampbesucherInnen vegan, obwohl sie selber keine VeganerInnen sind. „Wir konnten dieses Jahr auch alle tierischen Produkte durch den Biobeitrag finanzieren“, erzählt Christian stolz. Trotzdem produziert die Küche durchschnittlich einen gelben und einen normalen Sack Müll pro Tag. „Wir müssen ja auch die Hygieneverordnung beachten, aber da ist auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf“, sind sich beide einig.

Aufwand für die Orgas?

Anschließend befrage ich Viktoria Willenborg und Jan-Tristan Kruse, die Projektleitung. „Uns lag das Thema Nachhaltigkeit total am Herzen und wir sind froh, dass wir das dieses Jahr so gut umsetzen konnten“, erzählt Viktoria. Für das Camp hat das Orga-Team acht Mülltonnen angemietet, von denen nur fünf bis Ende des Camps gefüllt sein werden. Die Putzmittel, die das Team bereitstellt, sind ebenfalls aus den Vorjahren übrig oder werden in Großpackungen gekauft, um Plastikmüll zu sparen. „Wir haben 800 Brötchen und 15 Kilo Käse eingekauft. Für das Lagerfeuer verbrauchen wir etwa zwei Badewannen Holz“, zählt Jan auf. Auch bei den Orga-Vortreffen wurde auf Nachhaltigkeit geachtet. Es gab veganes Essen, Autofahrten wurden vermieden und nur drei Flipchartpapiere wurden verbraucht – die Digitalisierung zeigt sich hier von ihrer besten Seite. „Wir haben insgesamt darauf geachtet, dass kaum Sachen übrig bleiben und waren in der Planung sehr genau“, erklärt Viktoria.

„Wir sind immer offen für Ideen oder Anregungen, vor allem von Seiten der Teilis. Aber ich glaube, insgesamt haben wir das sehr gut hinbekommen“

Jan-Tristan Kruse, Projektleitung

 Nach meinen Recherchen kann ich dem nur zustimmen. Die Maßnahmen, die das Orga-Team getroffen hat, sind sehr durchdacht und sorgen so für ein ziemlich nachhaltiges Camp.


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Megan Schlicht

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