Junge Presse Journal

Warum alle Medien gendern müssten

„Sagen, was ist.” So definierte Spiegel-Gründer Rudolf Augstein den Auftrag des Journalismus. Um dem gerecht zu werden, müssten alle Medien gendern, kommentiert Lima Fritsche.

Andere Handwerker*innen haben ihren Werkzeugkoffer, Journalist*innen die Sprache. Wir müssen mit ihr umgehen können, um unsere Arbeit gut zu machen. Schließlich sollen wir die Wahrheit so darstellen, dass alle sie verstehen. Also achten wir akribisch auf jede Formulierung: Die Assoziationen müssen passen, es darf kein falsches Bild vermittelt werden. Klingt plausibel.

Ein offensichtlicher Mangel scheint für die meisten Medien jedoch unsichtbar – sonst würden nicht mehr so viele Artikel von „Unternehmern”, „Lehrern” oder „Politikern” handeln. Wenn ich solche Texte lese, sehe ich automatisch Mark Zuckerberg, Herrn Müller und Armin Laschet. Es fehlen: Sheryl Sandberg, Frau Schnabelstedt und Angela Merkel. Dabei wäre es gar nicht so schwer, sie ins Bild zu holen. Es bräuchte nur ein kleines Sternchen und die Ergänzung „-innen”.

Die Gesellschaft ist divers – Zeit, zu gendern

Trotzdem bleibt man beim generischen Maskulinum. Gendern koste Zeit und Zeichen, außerdem wolle man die Leser*innen ja nicht umerziehen. Also belügt man sie lieber – und muss dafür nicht einmal einen auf Relotius machen. Warum auch zeigen, dass unsere Gesellschaft nicht nur aus Männern besteht? Es reiche ja, weibliche und nicht binäre Personen „mitzumeinen”. Das Patriarchat lässt grüßen.

Sprache erzeugt Bilder und wir produzieren mit unserer Arbeit fleißig Bilder von Männern. Die Hälfte der Weltbevölkerung wird übergangen. Und welchen Wert wir Menschen erst beimessen, für die wir keine Sekunde übrig haben – starke Botschaft! Ich verrate euch ein Geheimnis: Die Gesellschaft ist divers. Es wäre an der Zeit, das unseren Leser*innen auch mal mitzuteilen und der Wahrheit wieder ein Stückchen näher zu kommen. „Sagen, was ist” eben – weitergedacht.

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Lima Fritsche

Lima Fritsche studiert an der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft. Zuvor absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr Politik bei der Jungen Presse Niedersachsen.

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