Von Pilzen, Eisblumen und Supersternen | Filmkritik zum „Super Mario Bros. Film“ (2023)

„Der Super Mario Bros. Film“ ist genau das, was Nintendo-Fans zufriedenstellt. Darauf mussten sie lange warten. Das liegt an einem verkorksten Film aus den frühen Neunzigern.

„Sehr flache Geschichte“ (Cinema), „eine reine Zeit- und Geldverschwendung“ (Roger Ebert), „riesiges, hektisches, leeres, uninteressantes Durcheinander“ (Stephen Hunter, The Baltimore Sun) – das waren die Rezensionen zu „Super Mario Bros.“ aus dem Jahr 1993. Es war der zweite und bislang letzte Kinofilm, der die Super Mario-Welt zum Thema hat. Er ist derart missraten, dass das Thema Kinofilm für den japanischen Videospielentwickler Nintendo jahrzehntelang Tabu war.

Die Gründe für den Flop waren vielfältig: Der Film wich stark von den bekannten Videospielen ab – denn Nintendo war nicht an der Umsetzung beteiligt – und die Macher verfehlten jede mögliche Zielgruppe. Die Machart war sowohl für das ältere als auch das jüngere Publikum unpassend: Man arbeitete einerseits mit einer platten Handlung, andererseits mit Schusswaffen, freizügigen Kostümen sowie abschreckenden Dinosauriern und Monstern. Hintergrund waren verschiedene Vorstellungen der Beteiligten. Produzent Roland Joffé wollte eine erwachsene Filmversion des Videospiels kreieren, Disney – der Konzern kam nachträglich als Finanzspritze dazu – pochte auf Familienfreundlichkeit. Durch seinen trashigen Charakter erlangte der Film einen gewissen Kultstatus. Diesen aufrechtzuerhalten ist die Motivation zweier Fans, die seit 2007 eine eigene Archivseite zum Film betreiben.

Regie führte das auf Langfilm-Terrain noch unerfahrene Ehepaar Rocky Morton und Annabel Jankel – für die beiden war es in dieser Funktion der letzte Spielfilm. Viele Erzählungen ranken sich um das Werk und seine Entstehung – etwa, dass die schlechten Bedingungen die entnervten Hauptdarsteller zum Whiskytrinken verleiteten oder dass das Regie-Duo weder bei Nachdrehs noch im Schnittraum anwesend sein durfte.

30 Jahre mussten vergehen, bis Nintendo Marios Geschichte in Spielfilmlänge 2023 erneut in die Kinos brachte. Den neuen Super Mario Bros. Film haben Shigeru Miyamoto, Erfinder der Mario-Figur, und Chris Meledandri, Gründer und Leiter der Produktionsfirma Illumination Entertainment, produziert. Im Film wird es die Aufgabe des Klempners Mario, seinen Bruder Luigi aus den Fängen der herrschsüchtigen, feuerspeienden Schildkröte Bowser zu befreien. Dabei helfen ihm Weggefährten wie die Prinzessin Peach, die das Pilzkönigreich regiert. Dieses will Bowser zerstören, außerdem soll Peach seine Frau werden – für Mario gilt es, das zu verhindern. Dabei kommen – wie auch in den Spielen – Powerups wie Pilze, Eisblumen und Supersterne zum Einsatz.

Der Film ist gelungen, und zwar, weil er ist, was er sein soll: seichte, spaßige Familienunterhaltung. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger verfolgt dieser Film eine klare Linie. Von der Handlung über die Optik bis zur Musik ist alles nah am Original der Videospiele. Die vielen Referenzen auf Klassiker wie Mario Kart oder Super Smash Bros. finden Gefallen bei eingefleischten Fans. Aber die Stärke des Films liegt darin, dass er mit seiner einfachen Erzählweise auch für junge Nintendo-Neulinge funktioniert. Er überzeugt auf allen Ebenen: Die Synchronisation ist gelungen, der Humor passend, die Animation sehenswert, dazu ist die musikalische Untermalung ideal. Die Handlung verläuft im richtigen Rhythmus und findet gute Wechsel zwischen Action und ruhigen Momenten. Der Film ist eine Wohltat für alle, die im Mario-Universum groß geworden sind.

Die positive Kritik sowie der finanzielle Erfolg geben den Machern recht. Weltweit spielte der Film an den Kinokassen 1,36 Milliarden US-Dollar ein und ist damit die erfolgreichste Videospielverfilmung. Nun hat es Nintendo also geschafft, auch in Form eines Spielfilms seine Fans zufriedenzustellen.

Bildquelle: Image by Alexa from Pixabay

Nicolas Förster

Nicolas Förster ist seit September 2025 der FSJler der JPN und arbeitet nebenbei fürs Göttinger Tageblatt. Im JPN-Blog lebt er sein kulturelles Interesse aus und schreibt vor allem über Filme.

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