Das beeindruckte sogar Stephan Weil: Vor rund 180 TeilnehmerInnen lobte der Ministerpräsident in einer Videoansprache das Engagement der Redaktionsmitglieder. Auch er war als Schüler einmal Teil einer SchülerInnenzeitungsredaktion, erzählte er. Die Zeitungen heute würden definitiv professioneller arbeiten als zu seiner Schulzeit – die Themen unterschieden sich allerdings kaum, stellte der Schirmherr des Wettbewerbs fest. Durch die Veranstaltung führten Johanna Hausmann und Konrad Materne als Moderations-Duo. Nach der Begrüßung verkündeten die LaudatorInnen nach und nach die ersten drei Platzierungen in den fünf Schulkategorien – Grundschule, Realschule, Gymnasium, Förderschule und Berufsbildende Schule. Eine Zeitung nach der anderen nahm auf der Bühne Urkunden und Preise entgegen – die Freude war bei allen groß.
Den zehn JurorInnen, davon die eine Hälfte ProfijournalistInnen, die andere Hälfte JPN-VertreterInnen, war bei der Beurteilung vor allem die Authentizität der Zeitungen wichtig. So lobte Juror Hans-Peter Fischer von der Hochschule Hannover die Zeitung „Der Schulchecker“, Gewinnerin in der Kategorie Förderschule, dafür, dass die Texte „in der Sprache der SchülerInnen verfasst sind“.
Die Schulleitung hat nichts zu melden
Denn der Name „unzensiert“ ist Programm: Der Wettbewerb möchte besonders Zeitungen auszeichnen, die eigenständig arbeiten. „Wir sehen es nicht so gerne, wenn LehrerInnen oder die Schulleitung Einfluss auf die Inhalte nehmen“, sagte Jurymitglied und JPN-Vorständler Florian Bastick. Auch auf ein vollständiges Impressum und einen Verantwortlichen im Sinne des Presserechts legte die Jury Wert.
Beim Blick auf den Inhalt der Zeitungen war es den JurorInnen besonders wichtig, dass die Themen relevant für SchülerInnen sind und zielgruppengerecht umgesetzt werden. So lobten die Juroren Conrad von Meding von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und Florian Bastick bei dem „Kaktus“, Gewinner in der Kategorie Gymnasium, das Aufgreifen von kritischen und kontroversen Themen. „Die hohe Qualität und Professionalität vieler SchülerInnenzeitungen hat uns beeindruckt“, sagte Henning Hünerbein vom JPN-Vorstand. Alle GewinnerInnen traten für Niedersachsen im Bundeswettbewerb der SchülerInnenzeitungen an, den die KultusministerInnenkonferenz ausrichten.
Sonderpreis von der Europa-Ministerin
Neben den Schulkategorien verlieh die JPN auch einige Sonderpreise, für die sie PartnerInnen mit ins Boot geholt hatte: Die Auszeichnung „Mein Europa“ verlieh Europaministerin Birgit Honé persönlich, das Niedersächsische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung hatte den Preis ausgelobt. Anhand des Brexits stellte sie dar, welchen hohen Stellenwert unabhängige Berichterstattung hat: „Es geht immer auch um Eure Zukunft.“ In England merkten vor allem junge Menschen jetzt plötzlich, wie schlecht sie sich vorher über die Folgen des Austritts informiert hatten. Auch SchülerInnenzeitungen könnten einen Beitrag zur Aufklärung leisten.
Den Sonderpreis „Digitalisierung und Demokratie“ verlieh die Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Demokratie aus? Was sind Vorteile und Chancen, wo liegen Herausforderungen? Dies waren die Fragen, die sich der prämierte Text stellen sollte.
Kein „Rotstift“ veliehen
Fotografie-Professor Lars Bauernschmitt von der Hochschule Hannover zeichnete kurzerhand alle BewerberInnen mit dem Sonderpreis „Das beste Foto – die beste Bildstrecke“ aus, weil er von allen Einreichungen so begeistert war, dass er sich nicht zu entscheiden vermochte. Der Deutsche Journalistenverband in Niedersachen verlieh zudem den Sonderpreis „Kritische Berichterstattung“ und die JPN einen Newcomer-Preis. Der Negativpreis „Rotstift“, welcher die Einflussnahme von Schulleitungen auf SchülerInnenzeitungen rügt, wurde mangels Vorschlägen nicht verliehen.
Begleitet wurde die Preisverleihung musikalisch von einem hannoverschen Jazz-Duo. Nach Ende der Veranstaltung strömten die BesucherInnen in den Nebenraum, wo eine Stärkung auf sie wartete. „Wir freuen uns, dass wir unsere allererste Preisverleihung gut über die Bühne gebracht haben“, resümierte Florian Bastick anschließend. Und die letzte wird es definitiv nicht gewesen sein.
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