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Krimiseminar Junge Presse Niedersachsen

Wort und Totschlag: Wie aufregend ist das Leben als Krimiautorin wirklich?

Wenn Worte töten könnten… Kathrin Hanke und Claudia Rimkus sind Vertreterinnen der modernen Krimiliteratur. Beide schreiben für ihr Leben gern – besonders, wenn es um Verbrechen und deren Aufklärung geht. Doch wie lebt es sich eigentlich als Krimiautorin heutzutage? Wodurch werden die beiden inspiriert und bietet die Arbeit als freie Schriftstellerin wirklich Freiheit?

Nein, besonders Kathrin Hanke, die seit 2014 als freie Autorin tätig ist, kann wahrlich ein Buch darüber schreiben, wie hart der Weg zur Unabhängigkeit ist. Die studierte Kulturwissenschaftlerin schrieb zunächst Werbetexte für eine Agentur. Aus Leidenschaft, aber nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen nahm sie mehrere Ghost Writing-Aufträge an und schrieb nebenbei Heftromane. Wie sie im Gespräch erzählt, hat sie deutlich von ihrer Arbeit als Werbetexterin profitiert: „Schreibblockaden kenne ich nicht. In der Agentur habe ich oft unter Zeitdruck einen möglichst guten Text abliefern müssen.“ Auch jetzt hilft Hanke noch Druck, um die Anforderungen des Verlags sowie ihre eigenen zu erfüllen.

Stunden im Archiv

Hanke schreibt gemeinsam mit Claudia Kröger die Heidekrimi-Reihe sowie Kinderbücher und True-Crime-Romane. Rasch erklärt sie, worum es sich bei True Crime handelt: Ein wahres Verbrechen wird in einen Roman verpackt. Das umfasst viel Recherchearbeit in Archiven, die Hanke jedoch sehr schätzt. Die Herausforderung ist, die gesellschaftlichen und politischen Umstände und somit ein Bild der jeweiligen Zeit an den LeserInnen zu vermitteln. Gern liest sich die Autorin schonmal in spannenden Akten fest und verbringt so mehrere Stunden im Archiv. Neben True Crime, das als Subgenre der Sachliteratur gilt, schreibt Kathrin Hanke auch biografische Kriminalromane. Hier muss zwar ebenfalls recherchiert werden und der Lesende bekommt genauso einen Einblick in die Zeit und die Umstände, unter denen es zu dem Verbrechen der Hauptfigur kam. Allerdings gilt: „nach einer wahren Begebenheit“. Die Autorin darf Charaktere hinzudichten und die Gefühle, Handlungen und Motive der Figuren um weit mehr ausschmücken, als es bei True Crime erlaubt wäre. Mit wahren Begebenheiten kommt sie durchaus das eine oder andere Mal beim Abendbrot mit der Familie durcheinander, gibt Hanke schmunzelnd zu. Schon öfter berichtete sie ihren Kindern von einem verrückten alten Mann oder einer weinenden Frau, die neulich an der Haustür geklingelt hätte, bis ihre Kinder sie erinnern: Das müsse sie neulich in ihrem Manuskript geschrieben haben, es sei nicht wirklich passiert. 

Schreiben ist ein 24-Stunden-Job

Aber genau diese Portion Fantasie gehört zur Arbeit einer Autorin dazu. Die Figuren werden Teil des eigenen Lebens. Wie Claudia Rimkus es formuliert: „Wir verbringen eine ganze Zeit mit ihnen, und im besten Fall soll der LeserInnen das auch.“ Während Hanke als freie Autorin Unabhängigkeit genießt, bekennt sich Claudia Rimkus dazu, dass sie neben ihrem Hobby als Schriftstellerin berufstätig ist. Ähnlich wie die Heidekrimi-Autorin hat Claudia Rimkus schon als kleines Mädchen gern zur Feder gegriffen. Dieses Hobby konnte sie sich trotz ihrer Arbeit bei der Schulverwaltung in einem hannoverschen Gymnasium wohl nie ganz abgewöhnen. „Wenn man einmal Blut geleckt hat…“, schmunzelt sie. Heute schreibt sie unter anderem auch die Reihe um die pensionierte Charlotte Stern, die in einer hannoverschen Seniorenresidenz spielt.

Rimkus nimmt sich für jeden Tag vor, mindestens drei Sätze am derzeitigen Manuskript zu schreiben, manchmal bis tief in die Nacht. Trotzdem nimmt sie sich ein bis zwei Jahre Zeit für einen Roman. Als große Hilfe und Inspiration sieht sie auch drei ihrer Freundinnen. Sie waren schon bei ihrem ersten veröffentlichten Werk Erstleserinnen und geben ihr auch heute noch Anregungen und Kritik. Rimkus liegt es am Herzen, über das Manuskript und die Ideen zu sprechen. Erst so kann aus einem Funken eine gute Idee werden, die schon bald zu einer ganzen Geschichte geformt wird.

„Geschichten liegen auf der Straße“

Uns fällt auf, wie viel Kreativität und Freigeist in den Köpfen der beiden Autorinnen stecken: „Die Geschichten liegen auf der Straße!“, mit funkelndem Blick illustriert Kathrin Hanke vor unserem inneren Auge ein Taschentuch, das neben einer Parkbank scheinbar bedeutungslos liegt. Doch als der Wind es verweht, ist plötzlich ein Blutstropfen darauf zu erkennen. Ob dieser einer blutenden Nase, oder aber einem Messerstich entspringt, müssen wir uns selbst ausmalen. Stift und Papier sind schnell griffbereit und ohne dass man es vorher hätte erahnen können, ist bereits der Anfang einer spannenden Geschichte entstanden. Doch das ist längst nicht alles.

Von der Idee zum Buch?

Die harte Realität sieht anders aus. So hatte Claudia Rimkus bereits vor einigen Jahren ein Manuskript an einen Verlag geschickt, das gnadenlos abgelehnt wurde. Sie habe sich erst wieder getraut, eine Leseprobe an einen Verlag zu schicken, nachdem ihre Freundinnen sie mit Nachdruck dazu ermutigt hatten. Und tatsächlich: es hat funktioniert. Dieses Glück habe nicht viele AutorInnen. Viele Manuskripte passen nicht in die aktuellen Trends der Verlage oder der Vertrieb spielt nicht mit. Dieser entscheidet letztlich, ob ein Buch gedruckt wird oder nicht. In der Wertschöpfungskette des Buches gibt es nämlich drei wichtige AkteurInnen: Den/die AutorIn, den Verlag, der das Manuskript entweder annimmt oder ablehnt und den Vertrieb. Dieser entscheidet bei einem vorgeschlagenen Manuskript, ob die Einnahmen die Druckkosten wieder ausgleichen. Außerdem muss das Buch strenge Formalien erfüllen, damit möglichst kostengünstig gedruckt werden kann. 

Das alles ist nicht immer einfach, gestehen die Beiden. Doch eines haben sie uns deutlich mit auf den Weg gegeben: Niemals den Mut verlieren! So rät uns Kathrin Hanke, bevor sie zu ihrer nächsten Lesung aufbricht: „Arbeitet mit Disziplin euren Träumen entgegen, wenn auch mit Umwegen, dranbleiben. Dann klappt das schon!“

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Karola Frenz

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