Junge Presse Journal
Hörspielkasetten

Wo sich Schallplatte und Kassette Gute Nacht sagen

Auf Hörspielmessen versammeln sich zahlreiche Fans, um sich zu ihren Lieblingsreihen auszutauschen und ihrer Sammelleidenschaft nachzugehen. Die Junge Presse Niedersachsen war auf der HÖRMICH 2019 dabei.

Schon mal bei der Weltmeisterschaft im Bleistift-Kassetten-Spulen mitgemacht? Nein? Auf der Hörspiel Convention in Hannover gab es in diesem Jahr  erstmals  die Chance dazu. Seit 2013 findet die Hörspielmesse im Kulturzentrum Pavillon statt. Neben der kuriosen WM bietet sie außerdem Sammlerbörsen für Hörspiele, Talkrunden mit bekannten Sprecher*innen wie Hans-Georg Panczak (Deutsche Synchronstimme vonLuke Skywalker) oder Santiago Ziesmer (Spongebob) und über dreißig Stände mit Labels, Verlagen,  Hörspielproduzent*innen und Newcomer*innen. Eine kleine, eigene Welt, in der alte Medien wie Kasetten und Schallplatten nicht in Vergessenheit geraten sollen und stattdessen neu in Szene gesetzt werden.

Die Besucher*Innen sind dabei schon fast wie eine große „Community“, in der man sich gegenseitig kennt, austauscht und mit anderen, die die gleiche Leidenschaft mit einem teilen, in Kontakt treten kann. Dabei ist es faszinierend, wie das meist erwachsene Publikum sich so für Hörspiele begeistern lassen kann. Für viele von ihnen waren die Hörspielkasstetten in ihrer Kindheit das Größte in einer Zeit, als Fernsehen und Internet noch keine Selbstverständlichkeit waren. Diese Begeisterung kommt auch durch die vielen Verkleidungen, von Ghostbusters bis Jedi-Ritter, und einem Stand der „Star Wars Fans Hannover e.V.“ zum Ausdruck. Da ist man schon etwas irritiert, wenn ein Stormtrooper neben einem Schallplatten der „Drei ???“ kauft.

Viel mehr als nur die großen Kommerzriesen

An den Ständen der Kleinverlage kommt man direkt mit den Gründer*innen, Produzente*innen oder Sprecher*innen ins Gespräch. Dabei erfährt man einiges über die Entstehungsgeschichte der Hörspiele und lernt ausgefallene Projekte, wie z.B. illustrierte Hörbücher kennen.

An den Ständen der Kleinverlage kommt man direktmit den Gründer*innen, Produzente*innen oder Sprecher*innen ins Gespräch. Dabei erfährt man einiges über die Entstehungsgeschichte der Hörspiele und lernt ausgefallene Projekte, wie z.B. illustrierte Hörbücher kennen.

Bevor seine beiden Mitstreiter dazugestoßen sind, konnte Hardegen bereits Erfolge bei Radiowettbewerben feiern. Und genau diese Preise haben ihn angespornt, weitere Hörspiele zu produzieren. Nach dem Umstieg von Kurz- auf Langhörspiele merkte er schließlich, dass er für die viele Arbeit Unterstützung benötigte. Im Internet lernte er Detlef Tams und Marc Schülert kennen, die ihn weiter ermutigten und in das Label einstiegen. Jetzt ist es „wie ein Bandgefühl“, freut sich der Gründer.

Die „Ohrenkneifer“: Dirk Hardegen, Detlef Tams & Marc Schülert (von links) präsentieren ihre Werke | Foto: Athena Macke

So vielfältig wie die Fantasie des Publikums

Die Hörspiele, die sie im eigenen Studio produzieren, durchlaufen jedes Genre: Von Krimi-Thriller bis Karl May und Science Fiction ist alles dabei. Genau diese Abwechslung ist den Machern wichtig, weil sie es jedes Mal spannend finden, neue Sachen auszuprobieren. So müssen sie einmal eine Soundkulisse für den Weltraum erfinden und beim nächsten Hörspiel Musik für den Wilden Westen komponieren. Gerade für diese detaillierte Inszenierung und die sorgfältigen und liebevollen Details werden sie von ihren Hörer*innen gefeiert.

„Die Hörmich ist toll.“, findet Dirk Hardegen. „Ein toller Tag, um Kontakt mit dem Publikum herzustellen und herauszufinden, wie sie ticken.“. Heute läuft es für sie auch besonders gut, ihr neues Hörspiel ist bereits ausverkauft. Generell sieht Hardegen in der Hörspielbranche den Trend, Themen mit hohem Nostalgiewert aufzugreifen. Besonders beliebt seien Themen wie Gruselgeschichten aus den Achtziger, der Hoch-Zeit des Hörspiels. Neu dagegen, analysiert er, seien „staffelartige“ Hörspiele, die über sieben bis acht Stunden gehen. Diese Hörspiele, meist von „audible“, reihen sich damit in in ein Konzept ähnlich dem von Netflix und Co. ein. Mit einem Blick in die Zukunft glauben sie, dass sie sich als Kleinverlag nicht gegen die „Großen im Buisness“ wie „Europa“ und „Maritim“ behaupten müssen. „Es gibt keine blutige Konkurrenz“, meint Hardegen. „Aber ich hoffe, dass auch Drei-???-Hörer den Mut finden, uns zu entdecken.“

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Athena Macke & Zoe Schrader

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