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Kameras, Teleprompter und Scheinwerferlicht

Wie sieht ein Fernsehstudio von innen aus? Was machen Journalist*innen in einer Fernsehredaktion den ganzen Tag? Und wie fühlt es sich an, in einer Live-TV-Sendung dabei zu sein? – All das und noch mehr konnten wir auf dem Fernsehseminar in Mainz Anfang September 2022 erfahren.

Beim Südwestrundfunk (SWR) treffen wir uns mit Redaktionsleiter Michael Ellermann, den Mitarbeitenden Daniel Bouhs und Janek Rauhe sowie Moderator*in Janboris Rätz. Nachdem der Eingangsbereich noch hell und großgehalten ist, kommen wir in einen tunnelartigen, dunkleren Gang – auf dem Weg zur Bildregie und den Fernsehstudios. Die Luft ist nun abgestanden, die Wände deutlich dicker. Es wirkt direkt ein wenig geheimnisvoll und wir sind gespannt, was uns erwartet. In der Bildregie selbst sehen wir vor allem Technik. An den Wänden reihen sich Bildschirm an Bildschirm, darunter sind hunderte von Tasten. Diese sind für die Entstehung des Fernsehbildes wichtig. Ein Mitarbeiter der Bildregie erklärt uns Tricks in Fernsehbildern anhand eines Beispiels:

Wenn sich die moderierende Person beispielsweise auf einen grünen würfelförmigen Hocker setzt, kann auf dem Fernseh-Bild daraus ein großes und gemütlich aussehendes Sofa entstehen. Und das wirkt so, als wäre es Realität.“

Bildschirm an Bildschirm in der Bildregie des SWR (Foto: Katharina Gläser)

Aber warum muss der Würfel und überhaupt der ganze Hintergrund im Studio grün sein? Auch das erklärt uns der Mitarbeiter: „Früher gab es Bluescreens, aber weil zunehmend blaue Elemente in die Kleidung integriert wurden, war grün die neue Farbe für den Hintergrund. Grün ist nämlich die Farbe, die am seltensten in der Kleidung auftaucht. Dadurch kann alles, was grün ist, im Bild ersetzt und bearbeitet werden – wie zum Beispiel der eben genannte Hocker.“

– Also merkt euch schonmal: Als Moderierende*r besser keine grüne Kleidung tragen!

Ein Blick ins Fernsehstudio

Nachdem wir die Fernsehstudios also bereits auf zahlreichen Bildschirmen gesehen haben, dürfen wir uns auch live ein Bild von einem der SWR-Studios machen. Unsere Blicke richten sich beim Betreten des Studios vor allem ins Grüne, denn viel mehr ist so ein Raum nicht. Und so groß tatsächlich auch nicht. Von den Decken hängen sehr viele Scheinwerfer herab, die alle unterschiedlich ausgerichtet sind. Ihr Ziel: Die moderierenden Personen passend zu beleuchten.

Zu ihnen gehört beim SWR zum Beispiel Janboris Rätz. Er erzählt uns einiges über die Arbeit als Moderator*in und erklärt uns auch die zahlreiche Technik in Form von Kameras, Scheinwerfern und dem Teleprompter anschaulich.

Ein Teleprompter zeigt den Moderierenden ihren Text, indem mithilfe eines kleinen Monitors der Text gespiegelt wird. Das Tempo, in dem der Text auf dem Monitor erscheint, wird individuell an das Sprechtempo der moderierenden Person angepasst. Der Teleprompter hängt direkt unter dem Objektiv der Kamera, sodass es den Zuschauer*innen nicht auffällt, dass die Moderator*innen ihren Text ablesen. Dadurch, dass der Text sehr groß geschrieben ist, bewegen sich die Augen der Moderierenden beim Lesen auch nicht auffallend.

Janboris Rätz im Fernsehstudio des SWR (Foto: Katharina Gläser)

Vielfalt im Fernsehen

Mit Janboris als nicht-binärer Moderator*in sprechen wir vor allem über das Thema Vielfalt beim Fernsehen. In den meisten deutschen Fernsehredaktionen sei der Großteil der Mitarbeitenden weiß und heterosexuell. Laut Janboris sei es noch ein weiter und steiniger Weg, mehr Vielfalt und Diversität in die Fernsehsender zu bekommen.

Wir müssen Diversität leisten als öffentlich-rechtlicher Sender.“

sagt Janboris als nicht-binärer Moderator*in.

Schließlich seien öffentlich-rechtliche Medien das „Sprachrohr der Menschen“.

Im Anschluss zeigt uns Mitarbeiter Janek einige SWR-Projekte, deren Fokus es ist, vor allem jüngere Zielgruppen zu erreichen. Er stellt uns das Slow-TV-Projekt „SWR-Handwerkskunst“, den „Flut-Podcast“ und das YouTube Format „Green Crime“ vor. „SWR-Handwerkskunst“ läuft im Fernsehen, aber auch auf YouTube und TikTok. Als Slow-TV-Projekt werden dabei langsam voranschreitende Prozesse, wie beispielsweise der Bau einer Gitarre, in Echtzeit aufgenommen und für TikTok und Co. in kurzen Clips zusammengeschnitten. Laut Janek ist es ein Experimentier-Projekt, denn durch das Feedback der User*innen könne man viel herausfinden und somit auch verbessern.

Der Lerchenberg

Bekannt für die Fernsehlandschaft in Mainz ist vor allem der Lerchenberg. Auf diesem außerhalb von Mainz gelegenen Berg steht das einen Quadratkilometer große Sendezentrum des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF). Das große Hauptgebäude des ZDF sticht uns bereits auf dem Weg ins Auge, es ragt über alles andere heraus.

Um auf dem riesigen Gelände einen guten Überblick zu erhalten, nehmen wir an einer eineinhalb-stündigen geführten Tour über das Gelände teil. Die Studios hier sind nochmal wesentlich größer als beim SWR und werden nicht umsonst „Grüne Hölle“ genannt. Unsere Blicke richten sich dort schnell nach oben, denn an der Decke hängen 200 Scheinwerfer!

Scheinwerfer-Gewimmel (Foto: Katharina Gläser)

Nach der Tour über das Gelände gehen wir in ein Gebäude, das wie eine Marsstation aussieht – in die Redaktion des „heute journals“. Drinnen fühlten wir uns, als seien wir in einem Labyrinth aus zahlreichen Gängen. Es riecht miefig, die Lampen leuchten in warmen Tönen.

Dalia Antar ist Redakteurin und Reporterin und steht als Co-Chefin vom Dienst (Co-CvD) an der Schnittstelle zwischen Redaktion, Herstellung und Anzeigenabteilung. Sie gibt uns Einblicke in die Abläufe der Redaktion: Die Frühreporter*innen sind bereits morgens zugegen und haben ein Auge auf die jüngsten Entwicklungen des Tages. Die anderen Reporter*innen suchen im Laufe des Tages ebenfalls nach Themen. Diese bereiten die Reporter*innen dann in Form von selbst erstellten Fernsehbeiträgen verständlich auf. Die Planer*innen haben einen Überblick über die Themen und verändern diese eventuell im Laufe des Tages noch. Die Grafik bereitet zu den Themen passende Statistiken visuell auf. Wer moderiert, verfolgt ab circa 10 Uhr die Pläne für die Sendung und bereitet sich darauf vor. Und damit auch keine Fehler unterlaufen, gibt es auch noch Redakteur*innen, die die Texte gegenlesen und verbessern.

Über tägliche Themenkonferenzen bis zu den stressigeren Abläufen kurz vor der Sendung – in der „heute journal“-Redaktion gibt es viel zu tun. Schwierig werde es, wenn etwas Unerwartetes passiere. Als zum Beispiel die Queen starb, musste der Sendeplan schnell verändert werden, erzählt uns Dalia. Dies sei durchaus stressig gewesen, denn die Nachricht erreichte das ZDF erst am späten Nachmittag.

Ein Blick in das „heute journal“-Studio (Foto: Katharina Gläser)

Live-TV-Sendung

Beim „aktuellen sportstudio“ sind wir in einer Live-TV-Sendung dabei. Sie besteht aus sehr kurzen Moderationsblöcken, dazwischen sind immer Videobeiträge aus dem Sport zu sehen, hauptsächlich von Fußballspielen. „Noch eine Minute, noch dreißig Sekunden, noch zehn – und Achtung!“, ruft eine Mitarbeiterin am Ende jedes Beitrags vor der nächsten Live-Moderation. So können die Kameramenschen ihre Kameras ausrichten und der Moderator sich auf seinen Beitrag vorbereiten. Und für uns als Publikum bedeutet es: „Fangt an zu klatschen!“. Denn auch das muss in einer Live-TV-Sendung an den passenden Stellen geschehen.

Alle in action bei der Live-Sendung des „aktuellen sportstudios“ (Foto: Katharina Gläser)

Besonders faszinierend sind die vielen Kameras. Und zwar nicht die kleinen Kameras, die auf der Schulter getragen werden. Sondern die, die 250 Kilogramm wiegen und etwa 130.000 Euro kosten. Die Kameramenschen steuern sie mit Leichtigkeit.

Der ZDF-Fernsehgarten

Ein letztes Mal an diesem Wochenende schlagen wir den Weg hoch zum Lerchenberg ein – genauer: zum ZDF-Fernsehgarten. Als wir ankommen, hören wir bereits die ersten Schlagersongs und sehen fröhliche Menschenmengen. Die Stimmung ist aufgeheitert, glücklicherweise schien auch mitten im September noch die Sonne. Wir folgen vor allem Moderatorin Andrea „Kiwi“ Kiewel. Sie erwirbt Zootiere auf dem Fernsehgarten-Flohmarkt und tauscht sich mit ihren Gästen aus. Und auch, wenn die meisten von uns sonntags üblicherweise nicht den ZDF-Fernsehgarten verfolgen: Live haben wir doch alle unseren Spaß.

Der gut besuchte ZDF-Fernsehgarten (Foto: Katharina Gläser)

Katharina Gläser

Katharina Gläser ist 19 Jahre alt und im Vorstand der JPN. Das Fernsehseminar ermöglichte ihr die ersten Einblicke in die Arbeit von Fernsehjournalist*innen. Sie kann sich durchaus vorstellen, später selbst einmal in einer Fernsehredaktion tätig zu sein.

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